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Scrivener
#11
Einen schönen guten Tag und ein lang gezogenes Puuuuuuuh....

Ich hab mir jetzt Scrivener herunter geladen, die halbe Nacht die Anleitung gelesen und bin, ich muss es zu meiner Schande gestehen, überfordert. Ich kriegs nicht auf die Reihe.

Das Programm mag gut sein. Es ist wahrscheinlich auch hilfreich, aber irgendwie komme ich nicht hinter die Zusammenhänge.
Zu was die einzelnen Punkte, (Funktionen) nützen, erschließt sich mir in der Mehrzahl immer noch nicht.

Man kann zwar die Oberfläche eindeutschen doch Manuel und Lehrtexte sind in Englisch. Es ist äußerst mühselig diese zu lesen.

Wie habt ihr es gemacht, sich diesem Programm zu nähern? Wie steigt man am besten ein? Wie erkennt man die Vorteile gegenüber was auch immer? Oder bin ich einfach nur zu alt, mittlerweile zu doof oder sonst wie verständnisbehindert?

Was mache ich falsch. Habe ich vielleicht überhaupt keinen Bedarf dafür?
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#12
(30.01.2018, 15:43)Haslflaier schrieb: Wie habt ihr es gemacht, sich diesem Programm zu nähern? Wie steigt man am besten ein? Wie erkennt man die Vorteile gegenüber was auch immer? Oder bin ich einfach nur zu alt, mittlerweile zu doof oder sonst wie verständnisbehindert?

Was mache ich falsch. Habe ich vielleicht überhaupt keinen Bedarf dafür?

Deine Fragen sind sehr berechtigt und ich versuche gerne sie ein wenig zu beantworten. Scrivener ist ein Werkzeug, das in der Tat mit einer Menge Funktionen daher kommt, die sich einem nicht augenblicklich erschließen.

Es ist eine Stärke und zugleich eine verwirrende Schwäche von Scrivener, dass man das Programm auf sehr unterschiedliche Weise benutzen kann. In meinen Augen gibt es da nicht den einen Königsweg. Um sich selbst einen Überblick zu verschaffen muss man etwas experimentieren und so herausfinden, was nützlich ist und was nicht.

Scrivener "lohnt" sich auch nicht für jeden. Es ist sicherlich ein Programm, das sein Potential erst bei größeren Schreibprojekten entfaltet. Wenn sehr viel Material zu verwalten ist, dann macht Scrivener Sinn.

Ich habe Scrivener komplett für mich zugeschnitten. So erstellte ich zum Beispiel eigene Vorlagen für Charaktere, Orte, Gegenstände und Organisationen/Fraktionen, die in meinen Geschichten vorkommen. Ich nutze die Schlüsselwörter bzw. Stichwörter, um bestimmte Sexpraktiken in den einzelnen Szenen für mich zu verwalten. In den sogenannten benutzerdefinierten Metadaten halte ich zu jeder Szene Perspektive, Datum, Ort, beteiligte Charaktere, Gegenstände und das Wetter fest. In den Notizen zu einzelnen Szenen stehen ergänzende Informationen, wie der zentrale Konflikt einer Szene. Im Feld für Kurzfassung schreibe ich natürlich eine Zusammenfassung jeder Szene.

Auf diese Weise finde ich später, wenn ich mal nachschlagen muss, relevante Informationen schnell wieder, auch ohne den ganzen Text nochmal lesen zu müssen.

Man könnte allerdings auch alles ganz anders machen. Wie gesagt, es gibt nicht den einen Weg. Außerdem nutze ich Scrivener in Kombination mit Aeon Timeline (Software zum Verwalten von zeitlichen Zusammenhängen) und Scapple, eine Art Mind-Mapping-Werkzeug, das auch vom Hersteller von Scrivener stammt. In Scapple halte ich Ideen fest und visualisiere Zusammenhänge. Aus diesen Notizen ergibt sich dann ein Handlungsfaden, den ich in Scrivener zu fertigen Texten ausarbeite.

Das sogenannte Corkboard hingegen, was oft bei Scrivener gelobt wird, das nutze ich gar nicht. Mir bringt das nichts. Deswegen lasse ich das weg. Dafür sind die Statistikfunktionen wiederum sehr hilfreich. Mit diesen portioniere ich die Texte in passende Größen. Bei mir hat eine Szene immer einen Richtwert von ca. 1250 Wörtern.

Das alles hat sich aber erst im Laufe der Zeit so ergeben und es ging eine lange Einarbeitungszeit voraus. Einarbeitung heißt aber nicht, dass ich erst versuchte die Software zu verstehen und dann los schrieb, sondern ich schrieb los mit Scrivener und verstand so das Werkzeug über die Jahre immer besser. Womöglich ist dieser Lernprozess auch niemals abgeschlossen und ich verwende Scrivener in der Zukunft nochmal anders als heute.

Man darf sich von all den Funktionen nicht abschrecken lassen. Fang einfach an zu schreiben und du lernst dann automatisch dabei. Denke auch daran, dass die sogenannten Snapshots sehr wichtig sind. Damit kannst du von jedem Text in Scrivener eine Version abspeichern. Das ist nützlich, wenn du eine Szene nachträglich änderst. Schreibe zum Beispiel eine erste Version, erstelle dann einen Snapshot davon, ändere den Text und du verlierst nichts dabei. Mittels des Snapshots kannst du immer auf alte Versionen wieder zurückgreifen.

Du hattest ja mal das Problem mit dem Backup. Auch dabei hilft dir Scrivener. Es legt ganz automatisch komplette Backups deiner Projekte an. Wenn du diese Backups zum Beispiel gleich in deine Dropbox hinein machst, so hast du immer eine Sicherung und selbst bei Verlust deines Rechners immer eine Reihe von Versionen, auf die du zurückgehen kannst.

Nochmal zum Verständnis die Unterscheidung von Backup und Snapshot:

Snapshot = Sicherung eines Textes INNERHALB des Projektes, um später auch auf ältere Versionen eines Textteils nochmal zugreifen zu können

Backup = Sicherung eines GANZEN Projektes (einschließlich aller Snapshots darin), um bei Datenverlust das Projekt wieder herstellen zu können

Es gibt auch eine Kurse online zu finden und natürlich auch Bücher dazu. Aber die sind gar nicht notwendig. Du kannst dir Scrivener problemlos selbst erarbeiten. Ich hoffe, ich konnte dir hiermit etwas helfen.

Viele Grüße

Dusty
Keiner schreibt besser als der, der schreibt, was ich gern lese.

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#13
Hallo Dusty,

vielen lieben Dank für Deine Mühe. Ich bin jetzt wieder mal für eine Woche unterwegs und in der Zeit will ich mir überlegen, was ich weiter machen will.

Ich begann schon einmal eine Lebensgeschichte (ich merke gerade, dass ich darauf zu stehnscheine) in der Art einer Zentralen Geschichte die die realen Historie im Großen und Ganzen als Zeitband laufen hat. Dazu eingebunden quasi der Lebenslauf. Per Links kann auf Nebenplätze, Personen und Ereignisse gesprungen werden. Dazu sollte es die passenden Lieder, Bilder, Videos geben, die man auch anklicken und abspielen oder anschauen kann. Das Ganze eine Art html-Lexikon sozusagen. Zu guter Letzt gedacht auf eine CD gebrannt zu werden um dann einfach per einlegen und autosstart damit schmökern zu können.

Die ersten 17 Jahre des Hauptstranges hatte ich fertig, dann begann das html und css lernen um Bilder in einer bestimmten Art einbinden zu können. Letztlich nach 6 Monaten gab ich auf. Ich hab seither nicht mehr weiter geschrieben, die Lust ist nicht weg, aber die Luft raus. Ich habe mich im Lernen von html, css und Java verloren.

So betrachtet habe ich jetzt eher Angst wieder etwas anzufangen, was mich nachher letztendlich vom Schreiben abhält.

Mein gegenwärtiger Bedarf wäre die Möglichkeit Details zu Personen, PLätze, Zeiten, Technik, allgemeine Historie, etc so zu sammeln, gruppieren und abrufbar zu haben, dass ich während des eigentlichen Schreibens nicht mehr lange suchen muss ob Susi nun lange oder kurze Haare hatte. Klar hab ich jetzt ein Susi-Profil doch das ist in einer eigene Personen.doc Datei. Es wäre schön, wenn ich mit dem Cursor im Haupttext über das Wort Susi komme, Susis Profil inkluse ihr Bild in einer Art Blase aufginge. Ahnlich den Hilfe-Infos.

Nun habe ich ein paar Stunden die Anleitung von Scrivener gelesen und weiß nicht einmal, ob derartiges überhaupt damit realisierbar ist, geschweige denn wie.

Gerade habe ich mir das Programm "Scapple" angesehen und ich denke, dass ich mir das auch herunter laden werde. Ich hatte schon öfter Bedarf einen elektronischen Notizzettel zu haben, mit dem man Zusammenhänge visualisieren kann. Das Programm scheint nicht verkehrt.

Ich habe auch inzwischen die Info-Videos zu Scrivener (Vimeo) gefunden. Leider wieder in englisch und deshalb nicht so leicht zu begreifen. Aber immerhin.

Vielleicht hat ja noch jemand Erfahrung mit Scrivener. Warten wirs mal ab.

Nochmal einen herzlichen Dank an Dich

Gruß Haslflaier
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#14
(31.01.2018, 18:43)Haslflaier schrieb: So betrachtet habe ich jetzt eher Angst wieder etwas anzufangen, was mich nachher letztendlich vom Schreiben abhält.

Das kann ich gut nachvollziehen. Scrivener KÖNNTE dir helfen. Das Programm wurde für große Schreibprojekte entwickelt. Ich sage deswegen "könnte", weil es auch nur eine Möglichkeit von vielen ist und die eigenen Vorlieben doch unterschiedlich sind. Allerdings ist Scrivener kein Programm, das interaktive Inhalte ERZEUGT. Das Ergebnis soll ein Buch oder ein eBook sein, keine CD mit multimedialen Inhalten. Alles was ich weiter unten beschreibe sind Hilfen für den Autor während des Schreibprozesses und nicht für den späteren Leser. Das nur vorweg.

(31.01.2018, 18:43)Haslflaier schrieb: Mein gegenwärtiger Bedarf wäre die Möglichkeit Details zu Personen, PLätze, Zeiten, Technik, allgemeine Historie, etc so zu sammeln, gruppieren und abrufbar zu haben, dass ich während des eigentlichen Schreibens nicht mehr lange suchen muss ob Susi nun lange oder kurze Haare hatte. Klar hab ich jetzt ein Susi-Profil doch das ist in einer eigene Personen.doc Datei. Es wäre schön, wenn ich mit dem Cursor im Haupttext über das Wort Susi komme, Susis Profil inkluse ihr Bild in einer Art Blase aufginge. Ahnlich den Hilfe-Infos.

Ja, Scrivener kann das. Ein Scrivener-Projekt ist eigentlich nichts anderes als eine Sammlung von Dokumenten. Im Verzeichnis "Manuskript" wird der eigentliche Text des Buches, der Novelle, der Erzählung verwaltet. In den anderen Verzeichnissen werden Recherche-Ergebnisse, Notizen, Hintergrundinformationen verwaltet. Das sind meist wiederum selbst Text-Dokumente. Aber du kannst auch jedes andere Format importieren und da auch Filme, Bilder oder PDFs ablegen. In den Texten kannst du dann wiederum sogenannte interne Links setzen, die dich per Mausklick sofort zu dieser Information bringen.

Die von dir gewünschte Blase geht auch, fast. Du kannst auf jeden Link mit rechter Maustaste klicken und dann das verlinkte Dokument in der sogenannten "Schnellreferenz" aufmachen. Das ist dann ein kleines, separates Fenster, in dem du fix nachlesen kannst, welche Haare zum Beispiel Susi hatte.

Ob das wirklich so Sinn macht, das bezweifle ich aber. Das setzen der Links macht enorm Arbeit. Warum solltest du dir das antun? Du wüsstest ja, dass Informationen zu Susi im Verzeichnis der Charaktere zu finden sind und könntest dort manuell hingehen. Diese Frage müsstest du natürlich für dich selbst beantworten und sie ist ein schönes Beispiel für die Möglichkeiten von Scrivener. Die Funktion ist da und der Autor kann in Scrivener entscheiden, was ihm hilft und was nicht.

Wie setzt man übrigens einen Link? Markiere zum Beispiel das Wort "Susi" (um bei deinem Beispiel zu bleiben) im Text, der irgendwo in Scrivener steht, klicke mit der rechten Maustaste auf das markierte Wort und wähle dann im aufgehenden Kontextmenü den Eintrag "Link zu Dokument" aus. Der Verzeichnisbaum deines Projektes öffnet sich und du kannst das Zieldokument auswählen, zu dem der Link dich führen soll. Das wars.

(31.01.2018, 18:43)Haslflaier schrieb: Gerade habe ich mir das Programm "Scapple" angesehen und ich denke, dass ich mir das auch herunter laden werde. Ich hatte schon öfter Bedarf einen elektronischen Notizzettel zu haben, mit dem man Zusammenhänge visualisieren kann. Das Programm scheint nicht verkehrt.

Ich finde das sehr hilfreich. Es ist wie eine große, virtuelle Tafel, auf der man seine Notizen festhalten und markieren kann.

Viele Grüße

Dusty
Keiner schreibt besser als der, der schreibt, was ich gern lese.

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  • Haslflaier
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#15
Was soll ich sagen?
Du bist halt Dusty!
Schön, dass es Dich gibt und ich Deine virtuelle Seite kennenlernen darf. (Sagt man das so?)

Werde jetzt mal sehn, was ich mit Deinen Infos anfangen werden.

Gruß Hasflaier
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#16
(01.02.2018, 11:19)Haslflaier schrieb: (Sagt man das so?)

Man kann das so sagen. Hier zählen wir ja keine Murmeln. Wink
Keiner schreibt besser als der, der schreibt, was ich gern lese.

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